Von Los Angeles nach San Simeon

Nach 12,5 Stunden in der Luft auf dem Weg von Neuseeland nach Kalifornien und entsprechend viel Zeit, um die Erlebnisse der letzten Wochen Revue passieren zu lassen, empfing uns Los Angeles bei strahlendem Sonnenschein. Auch wenn die Stimmung beim Abflug in Auckland noch etwas gedrückt war, versprach allein die Aussicht auf weitere 10 Tage in Kalifornien, Nevada und Arizona schon eine großartige Zeit und jede Menge Vorfreude. Und dann wartete ja noch der Rückflug von Dallas nach Frankfurt in der First Class der Lufthansa. Da konnte man auch schonmal die Ankunftszeit von 06:35 Uhr in der Früh verzeihen.

Obwohl ich mich generell für einen eher ruhigen und geduldigen Menschen halte, so lasse ich mich hin und wieder relativ leicht auf die Palme bringen. So geschehen an diesem Morgen beim Verlassen des Flughafens, um zur Autovermietung zu gelangen. All diejenigen, die nämlich einen Mietwagen bei Alamo abholen wollten, konnten bestaunen, wie kein einziger Shuttlebus für den Transfer zur Außenstation zur Verfügung stand. Bei allen anderen Autovermietern fuhren die Busse in einem gefühlten Abstand von 30 Sekunden vorbei. Aber Bluthochdruck macht ja bekanntlich wach und munter. Glücklich vor Wut sah ich mich schon zu einem Twitter-Shitstorm ansetzen, als besagter Bus doch noch vorfuhr. Mit viel zu vielen Personen in einem viel zu kleinen Bus fuhren wir also zur Außenstation, um uns dort in eine schier endlose Schlange mit genervten Menschen einzureihen. Urlaubsstimmung? Ausbaufähig. Immerhin stand ein deutsches Paar in der Warteschlange, das am Schalter mit deutschem Akzent und sagen wir „Begriffsstutzigkeit“ den Rest der Truppe zu belustigen wusste.

Der Pacific Coast Highway

Nach einer Stunde Warterei und einer erstaunlich unkomplizierten Abholung (ich liebe ja die Choiceline, wo man seinen Mietwagen auf dem Parkplatz selber auswählen kann), war es endlich an der Zeit für die zweitägige Etappe auf dem Highway 1 bzw. auf dem Pacific Coast Highway von L.A. nach San Francisco.

Highway 1 von Los Angeles nach San Francisco
Highway 1 von Los Angeles nach San Francisco

Eine Reise nach Kalifornien lohnt sich in meinen Augen ja sowieso immer, aber schon allein um diese spezielle Strecke zu fahren, würde ich mich ohne zu zögern für 11 Stunden in den Flieger setzen. Man kann mühelos eine Woche nur damit verbringen, die Orte entlang der Küste zu erkunden, die Natur zu bestaunen und die Zeit so bewusst wie möglich zu nutzen, um das kalifornische Lebensgefühl von Freiheit und Naturverbundenheit auf sich wirken zu lassen. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die Strecke von Los Angeles bis hoch in die Kleinstadt Leggett, eine der schönsten Routen weltweit ist, die man mit dem Auto zurücklegen kann. Die meiste Zeit fährt man mit Blick auf die Pazifikküste, wobei das Blau des Meeres ein ständiger und entspannender Begleiter ist. Die kalifornische Sonne, die Palmen am Straßenrand und die grünen Hügel landeinwärts sorgen dann von ganz allein für ein Gefühl der Ausgeglichenheit. Teilweise prächtige Strandhäuser, mit Surfern gesäumte Buchten, aber auch abgeschiedene Küstenabschnitte wechseln sich während der Fahrt immer wieder ab und geben zu verstehen, warum Kalifornien eines der meistbesuchten Reiseziele weltweit ist.

Ein Roadtrip von L.A. nach Phoenix in 10 Tagen

Ich träume noch immer davon, irgendwann mal 5-7 Tage nur damit zu verbringen, den Pacific Coast Highway entlang zu fahren. Bisher waren es maximal 2 Tage mit 2-3 Stopps pro Tag, was bei der Fülle an Sehenswürdigkeiten aber schon sehr knapp ist. Und auch diesmal beschränkte sich die Reise entlang der Küste auf 2 Tage, denn innerhalb von 10 Tagen galt es von L.A. über San Francisco, den Yosemite Nationalpark, Death Valley und Las Vegas nach Phoenix zu fahren. Nicht unbedingt ratsam, wenn man das erste Mal an der Westküste ist, weil dann vieles buchstäblich auf der Strecke bleibt. Allein 28 Stunden verbringt man hinter dem Steuer. Um die Dimensionen nachverfolgen zu können, hier die Route.

Roadtrip von Los Angeles nach Phoenix
Roadtrip von Los Angeles nach Phoenix

Etappe nach Morro Bay und San Simeon

Um aber überhaupt zum Küstenhighway zu gelangen, muss man zunächst eine Prüfung bestehen, die sich „Verkehr von Los Angeles“ nennt. Wer in L.A. niemals im Stau stehen musste, der war auch noch nie wirklich in L.A., denn Stau zu jeder Tages- und Nachtzeit gehört dort genauso dazu wie bei uns der Streit mit dem Nachbarn. Eine gute Erfahrung ist der Verkehrswahnsinn aber trotzdem, denn danach erscheint jeder Stau in der Heimat einfach nur noch lächerlich.

Die Fahrt vom Flughafen in L.A. nach San Simeon markiert ungefähr die Hälfte auf dem Weg nach San Francisco und ist ohne Verkehr und Zwischenstopps in etwas mehr als 4 Stunden zu schaffen. Realistisch sind aber eher 6-8 Stunden, denn so kleine, idyllische Küstenstädte wie Pismo Beach oder den Point Mugu State Park sollte man sich unbedingt ansehen und nach Möglichkeit vielleicht sogar etwas Zeit vor Ort verbringen. Und wie gesagt: Der Verkehr in L.A. ist krank.

Etappe von Los Angeles nach San Simeon
Etappe von Los Angeles nach San Simeon

Nach der Flucht aus Los Angeles, dem Gott sei Dank immer weniger werdenden Verkehr und einer kurzen Pause bei Whole Foods in Santa Barbara (Cold Brew Coffee = Lebensretter), war der kleine Küstenort Morro Bay ein sehr willkommener Zwischenstopp auf dem Weg nach San Simeon, um sich am Strand die Beine zu vertreten und die Seeotter im Wasser zu beobachten. Außerdem ist das Einschlafen hinter dem Steuer auch in Kalifornien ziemlich unpopulär, was die Pause umso notwendiger gemacht hat.

Unverkennbar an Morro Bay ist vor allem Morro Rock direkt an der Küste, der das Erkennungsmerkmal der Stadt ist und gleichzeitig als Heimat für eine Möwenkolonie dient. Im Ort selber gibt es einige Restaurants und Cafés, wo man sich einen kleinen (gerne auch einen großen) Imbiss besorgen kann, den man bei gutem Wetter dann idealerweise mit an den Strand nimmt, um es sich beim Blick auf den Pazifik gutgehen zu lassen.

Morro Bay
Morro Bay

San Simeon

Nach einer ausgedehnten Pause an der frischen Meeresluft war der restliche Weg bis nach San Simeon nicht mehr weit. Der kleine Ort mit ein paar Hundert Einwohnern liegt direkt an der Küste und besteht eigentlich nur aus Motels bzw. Hotels, ein paar kleinen Geschäften, Wohnhäusern und Restaurants, aber trotzdem ist alles vorhanden, was man braucht. Als wäre er nur dafür da, um übermüdete Touristen auf der Durchreise zu versorgen. Aber auch rein „strategisch“ (Urlaub will ja tatsächlich geplant sein) macht ein Zwischenstopp in dem verschlafenen Küstenstädtchen absolut Sinn. Einerseits bleibt man auf dem Pacific Coast Highway und muss nicht landeinwärts fahren, um irgendwo zu übernachten. Andererseits befindet man sich direkt am Strand, wo man zwar nur mit fünf Neoprenanzügen übereinander und eingebautem Lagerfeuer schwimmen gehen sollte, aber für Spaziergänge entlang der wilden Küste und vor allem für den Anblick eines fantastischen Sonnenuntergangs lohnt sich der Aufenthalt allemal. Einen Eindruck davon habe ich mal in einem kurzen Video festgehalten. Wenn das Meeresrauschen, die warmen Farben und die friedliche Umgebung nicht nach Urlaub schreien, dann noch viel Erfolg bei der weiteren Suche nach der geistigen Gesundheit.

Die Unterkunftswahl fiel diesmal auf die San Simeon Lodge (mit diesem Link gibt es bei Booking.com nach einem Aufenthalt 15€ zurück), was für die eine Nacht vollkommen ausreichend war. Auch als Ausgangspunkt für einen Besuch des Hearst Castle, einem stattlichen Anwesen des ehemaligen Zeitungsverlegers William Randolph Hearst, eignet sich San Simeon bestens. Und letztendlich liegt hier das Tor zu einem der Highlights des Pacific Coast Highways: Big Sur. Besonders diejenigen, die Kalifornien das erste Mal besuchen, sollten sich für diesen Teil der Strecke besonders viel Zeit nehmen, auch wenn die reine Durchfahrt schon spektakulär genug sein kann. Aber mehr dazu im nächsten Post.

Durch die frühe Abfahrt aus Los Angeles dauerte es noch ein paar Stunden, bis das Zimmer fertig war. Zeit genug also, um sich die Umgebung ein bisschen anzuschauen. Ein Pool, ein Restaurant samt Bar und ein kleiner Einkaufsladen gehören zum dem Hotel dazu und die einfachen Zimmer inklusive Balkon gibt es teilweise sogar mit Meerblick. Nebenan gibt es bei Bedarf auch noch einen Liquor Store für die Urlaubsstimmung aus der Flasche. Ansonsten findet man auf beiden Seiten vom Highway jeweils zwei Restaurants und weitere Unterkünfte, einige davon direkt am Meer. Eine gute Möglichkeit, um eine Nacht mit Meeresrauschen im Hintergrund zu verbringen.

Nach der langen Fahrt und dem Check-in reichte es nur noch für einen längeren Mittagsschlaf, um kurz vor dem Sonnenuntergang etwas zu Essen im hauseigenen Restaurant San Simeon Beach Bar & Grill zu besorgen (Buffalo Wings ftw!) und eine große Flasche Bier im Liquor Store zu kaufen, um damit am Strand bei einem herrlichen Sonnenuntergang den Tag ausklingen zu lassen und sich über die Rückkehr nach Kalifornien zu freuen. Achtung: Trinken von alkoholischen Getränken in der Öffentlichkeit ist immer noch größtenteils gegen das Gesetz in Kalifornien. Mittlerweile gibt es aber immer mehr öffentliche Räume, wo zumindest das Trinken von Bier und Wein erlaubt ist. Wie es am Strand von San Simeon geregelt ist? Keine Ahnung. Letztendlich ging es nur um diesen Anblick und die Feststellung, wie wenig es braucht, um zufrieden zu sein.

Sonnenuntergang am Strand in San Simeon
Sonnenuntergang am Strand in San Simeon

Am Tag darauf führte die nächste Etappe von San Simeon über Big Sur bis nach San Francisco. Viele eindrucksvolle Streckenabschnitte, gut versteckte Buchten und malerisch am Meer gelegene Kleinstädte sind Teil dieser Etappe und am Ende wartet eine meiner absoluten Lieblingsstädte, wo sogar der Nebel seinen eigenen Twitteraccount hat. Schon bald gibt es mehr dazu!

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